27.05.1970 Glockenweihe

In der weit über das Holzland hinaus bekannten wunderschönen Klosterkirche hängen drei Glocken - eine große, eine mittlere und eine kleine Glocke. Diese rufen seit vielen Jahrhunderten die gläubigen Gemeindemitglieder zum Gottesdienst riefen. Dies geschah in harmonischer Weise einzeln aber auch im Dreiklang bis zum 2.Weltkrieg. Für den Krieg wurden zwei, die große und die kleine Glocke eingeschmolzen. Es verblieb nur noch die mittlere Glocke im oberen Kirchturm. Durch Spenden der Gemeinde konnte innerhalb dreier Jahre 1970 eine neue große Glocke beschafft werden. Sie wurde in Apolda vom Glockengießer Franz Schilling gegossen. Sie besteht aus Bronze, ihr größter Durchmesser beträgt 115 cm, das Gewicht 800 kg, die Tonhöhe f’. Die Inschrift lautet: „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort.“ Am 27.05.1970 wurde sie von der Glockengießerei in Apolda auf LKW nach Bad Klosterlausnitz transportiert und am 31.05.1970 geweiht. Die mittlere wurde 1617 (ein Jahr vor dem Beginn des 30-jährigen Krieges 1618-1648) von Melchior Moeringk in Erfurt Bronze gegossen. Ihr größter Durchmesser beträgt 89 cm, ihr Gewicht 450 kg, die Tonhöhe a’. Ihre Inschrift lautet: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Anno 1617 goss mich Melchior Moeringk zu Erfurt im Namen Gottes.“ Mit dem lateinischen Zusatz: „Verbum Dei manet in aeternum“ (Das Wort Gottes bleibet in Ewigkeit) Bis zum 2. Weltkrieg war sie tonangebend in dem Dreiergespann mit der großen und kleinen Glocke. 1949 aber bekam sie wieder eine kleine Schwester, eine kleine Glocke. Diese hing einst in der Kirche zu Caaschwitz, wurde dort durch Beschaffung eines Gussstahlgeläutes 1921 überflüssig, wurde dann von dem Caaschwitzer Rittergutsbesitzer erworben und von diesem 1949 von Frau Anna Prüfer, geb. Dämmrich, (Mutter des späteren Köppenwirtes, Fritz Prüfer) für die hiesige Kirche zum Ersatz für die im 2. Weltkriege verloren gegangene kleine Glocke gekauft. Der Kaufpreis soll 3.000 Mark betragen haben. Diese kleine Glocke, Gussjahr und Gießer sind unbekannt, ist aus Bronze gegossen, ihr größter Durchmesser beträgt 71 cm, wiegt 250 kg und hat die Tonhöhe C’’. Diese Taufglocke trägt die Inschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.“ Nachdem die große Glocke durch einen Neuguss ersetzt werden konnte, ist seit dieser Zeit das „Glocken-Dreiergespann“ wieder zu hören. Das Läuten der Glocken geschah bis Mitte des 20. Jahrhunderts mittels starker Seile per Hand, in letzter Zeit geschieht dies elektrisch. Am Mittwoch, d. 27.05.1970, gegen 17:00 Uhr, wurde der Lkw mit mit Girlanden geschmückten und die neue großen Glocke, aus Apolda kommend, an der Köppe begrüßt. Eine große Menschenmenge hatte sich trotz Regenwetters eingefunden. Im Schritttempo fuhr das Fahrzeug, bis zur Kirche, umringt von einer Heerschar Gläubiger aber auch Neugieriger. Um 17:15 Uhr begann die Feier vor der Kirche: Kirchenchor, Gemeinde, Volkschor, Auszüge aus Schillers Lied von der Glocke, Kinderchor, und Junge Gemeinde wechseln mit ihren Liedern und Gesängen einander ab. Dann erfolgt die Ansprache von Pfarrer Besser. An den folgenden drei Tagen, Donnerstag, d. 28.05.1970 bis Sonnabend, d. 30.05.1970 herrscht große Betriebsamkeit bei den Arbeitern der Glockengießerfirma und den Zimmerleuten. Mit viel Kraft, Sorgsamkeit und Geschicklichkeit wurde die 16 Zentner schwere Glocke mit starken Seilen nach oben in den Glockenstuhl gehoben. Diese Arbeiten wurde ohne Zwischenfälle beendet, so dass dem Festgottesdienst am Sonntag, d. 31.05.1970, 10:00 Uhr, mit dem Einläuten der neuen Glocke und einer Predigt vom Oberkirchenrat Pabst aus Berlin nichts mehr im Wege stand. Danach erklang zunächst die mittlere Glocke, es folgte die große Glocke, zuletzt die kleinste Glocke.

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