Die Geschichte der Luftmunitionsanstalt 5/IV Oberndorf (LMuna)

 
Aus der Presse

Verschiedene Heimatforscher haben in der Vergangenheit über diese Geschichte geschrieben. Deren Arbeitungen, besonders in der DDR-Zeit, hatten zum Teil jeweils „Klassencharakter“. Aussagen von „Zeitzeugen“ wurden zum Beispiel ohne weitere Prüfungen übernommen. Noch schlimmer waren der Gesellschaft geschuldete Interpretationen. So entstanden teilweise entstellte Darstellungen, teilweise fern aller Tatsachen.
Auf einer sachlichen Wertung aller zur Verfügung stehenden Unterlagen soll hier die Geschichte der LMuna neu aufgearbeitet und frei von politischen Zwängen dargestellt werden. Ein Unterfangen, was mit fortschreitenden Jahren immer schwerer wird. Einerseits weil Zeitzeugen verstorben sind, zum anderen, weil die Aufarbeitung des Themas auch nach der Wende staatlich behindert wird. Zum Beispiel unterliegen die Unterlagen des ehemaligen MBD der DDR einer 30jährigen Sperrfrist nach Schließung der letzten Akten.

Bis 1934 war das Wald- und Feldgebiet welches von den Ortschaften

  • Bad Klosterlausnitz,
  • Grüna,
  • Hermsdorf,
  • Oberndorf,
  • Rüdersdorf,
  • Tautenhain und
  • Weißenborn

umschlossen wird, war jagd-, forst- und landwirtschaftliche Nutzfläche. Es galt als beliebtes Ausflugsziel und war bei Wanderern, Pilze- und Heidelbeersuchern begehrt. Nicht selten suchten die Burschen der umliegenden Maibaumgesellschaften sich hier einen stattlichen Baum aus.
Verwaltungsmäßig liegt das Grundstück (nennen wir es ab sofort nur noch LMuna) heute im Bereich der Erfüllenden Gemeinde Bad Klosterlausnitz (mit Bad Klosterlausnitz, Tautenhain und Weißenborn) und der Gemeinde Kraftsdorf (mit Grüna, Oberndorf und Rüdersdorf). Betroffen sind direkt Flurstücke der Gemeinden Bad Klosterlausnitz, Oberndorf, Rüdersdorf und Tautenhain.
Das Gelände gehörte vor seiner Nutzung als LMuna dem Staatlichen Forst sowie Privateigentümern von Oberndorf und Rüdersdorf.

Die LMuna Oberndorf setzt (e) sich im zusammen aus:

  • Fläche
    - 1945 = 250 ha (1),
    - 1948 = 320 ha (wobei dabei die durch Sprengung belasteten Gebiete einbezogen wurden, die tatsächlich viel größer waren)
    - 1991 = 1150 ha
    - 2012 = 1165 ha (2).
  • Wohngebiet für Militärangehörige, Beamte, Zivilangestellte - bestehen zum Teil heute noch,
  • Verwaltungsbereich (Verwaltung, Wachgebäude, Küche, Kasino, Kino, Kfz-Werkstatt, Kfz-Garagen, Tankstelle, Heizung, Tiefbrunnen, Wasserentsorgungsanlage, Feuerwache, Lokschuppen, Wachgebäude) - im Bereich des späteren NVA Objektes noch teilweise vorhanden,
  • Fertigungsbereich (Munitionsarbeitshäuser, Löthaus) - zerstört, Reste noch erkennbar,
  • Lagerbereich 64 Bunker (3) Bunker / 93 Bunker (4) sollen es nach amerikanischen Angaben gewesen sein, Verpackungslager, ab 1939 getarnte Freilager) - zerstört
  • Nebenanlagen (Stellwerk an der Strecke Weimar - Gera (abgerissen), im Gelände der LMuna kleiner eigener Bahnhof (täglicher Waggoneinlauf und Waggonauslauf 5 - 15, in Kriegszeiten vermutlich bis 50 - 60), LKW oder Elektrokarren für innerbetrieblichen Transport, eigene Autobahnabfahrt, ca. 10 m breite und gepflasterte Baurampe zwischen Rüdersdorf und dem Hermsdorfer Kreuz, Luftschutzbunker, Generatorbunker, Feuerlöschteich inklusive Wasserleitungsnetz mit Hydranten, Straßen (waren wegen der Transportmassen in der Regel asphaltiert) - Reste zum Teil noch erkennbar, eigene Brunnen und Abwasseranlage,
  • Zufahrten in den Bereichen Republikaner, Kühns Höhe, Triftberg von der Landstraße Bad Klosterlausnitz Tautenhain, über die Ortsverbindungsstraße Bad Klosterlausnitz - Oberndorf (Jugendwaldheim (5) und die Baurampe an der A 4.
  • Beschäftigte Friedenszeit 200 bis 250 Beschäftigte, im Krieg 400 bis 500 (vermutlich überwiegend Frauen) in Tag- und Nachtschichten. (6)
  • Tarnname - ab 1944 „Ortrud“. (7)
  • Vorhandene Munitionshäuser (Bunkerform) (8)
    - zweitürige, mit Erde umschüttete Betonbunker 16 X 12 m
    - mehrtürige, wahrscheinlich mit Erde umschüttete Klinkermauerwerke 25 X 15 m
    - eintürige, mit Erde umschüttete Betonbunker 14 X 11 m
 

1934
Die Arbeiten begannen bereits 1934, ohne dass dazu entsprechende Verträge abgeschlossen waren. Eine staatliche Fläche von 111,88 ha und aus Privathand (Oberndorf und Rüdersdorf) von 7,61 ha wurden per Kaufvertrag an das Luftkreiskommando III Dresden am 16.06.1936 verkauft.
Zur Kaufabwicklung aus Privathand kam es zu Streitigkeiten, da es durch den Bau der Autobahn zu Schwierigkeiten mit Ersatzgrundstücken kam und Geldleistungen abgelehnt wurden. Offensichtlich wurden solche später aber dann doch gezahlt.
Der Baustab bezog im Frühjahr 1934 in Oberndorf Quartier. Mit der Waldrodung und Schaffung der Baustelleneinrichtungen wurde ebenfalls im Frühjahr 1934 begonnen. Kurz darauf haben Wachmannschaften die Sicherung des Geländes übernommen. Alle Forschungsergebnisse und Zeitzeugenaussagen belegen, dass dies durch Angehörige der Luftwaffe erfolgte. Es gibt für die LMuna keine Hinweise auf Einheiten der SS.
Bauherr war der Stab der Luftwaffe Altenburg, Bauausführer die Firma „Grün & Bilfinger AG Mannheim“, der ab dem 15.06.1936 auch der Bau der Teufelstalbrücke oblag. Im Archiv der Firma befindet sich ein Projektverzeichnis. Danach wurden im Jahr 1934 / 1935 von Grün & Bilfinger in Oberndorf / Thüringen 36 Bunker aus Eisenbeton (12 x 12 x 2,5 m) und zehn Lagerschuppen errichtet sowie Erdarbeiten ausgeführt. Die Bausumme belief sich auf 700.000 RM als Bauherr ist „Neubauleitung Lehmann“ angegeben. Ein zweiter Eintrag besagt, dass in Lossa/Finne (55 km Luftlinie von der LMuna entfernt) wurden im gleichen Zeitraum für den gleichen Bauherrn 47 Bunker gebaut und Erdarbeiten ausgeführt wurden. Die Bausumme belief sich auf 540.000 RM. (9)

1934
Verhandlungen für einen Gleisanschluss und Bau eines Bahnhofes liefen ab 1934. Der Bau erfolgte in der Folge 1935. Dazu wurde ein Stellwerk an der Strecke Weimar - Gera errichtet. Das Stellwerk war bis 1977 als "Blockstelle Oberndorf" in Betrieb und wurde dann abgerissen. In der LMuna wurde ein kleiner Bahnhof errichtet.

 

Stellwerk Oberndorf
Einweihung des Stellwerkes Oberndorf 1936, unten Ausschnitt.

Ausschnitt vom Bild oben.
Das Stellwerk wurde eigens für den neu gebauten Abzweig in die LMuna errichtet.

 
An der Autobahn (heute A 4) gab es später einen Anschluss (Baurampe), die aufgrund ihrer Größe aber keine große Bedeutung für Munitionstransporte gehabt haben dürfte. Es handelte sich um eine einfache gepflasterte Abfahrt. Die Autobahn Gera - Jena wurde Ende 1937 freigegeben.
 


Die Aufnahme der Amerikaner entstand, als Thüringen bereits von den Russen besetzt war.
Zu erkennen sind die großen Sprengtrichter und deren Auswirkungen. Diese stammen nicht von Bombenabwürfen,
sondern von den gezielten Sprengungen der Bunker und Freilagerflächen. Vergleiche auch die Luftbilder und Karten unten.
Unterhalb der Bezeichnung (Baurampe) - unter den Buchstaben ra ist der Schatten eines Flugzeuges erkennbar.

 

1936
Beginn der militärischen Nutzung mit der Einlagerung angelieferter Munition, der Laborierung, der Delaborierung defekter Munition für die Luftwaffe. Dazu zählten:

  • Bordwaffenmunition (verschiedener Kaliber, auch Bordraketen 8 cm „Panzerblitz“),
  • Flakmunition (verschiedener Kaliber),
  • Abwurfmunition (Bomben, Sprengbomben 50 bis 250 kg, Flüssigkeits- und Stabbrandbomben),
  • Leucht- und Signalmunition und
  • Handwaffen-Munition (MG, Karabiner, Pistolen).

Hinzu kam der Neubau oder die Reparatur von Munitionskisten, direkt in der LMuna und später auch in Oberndorfer Holzfirmen.
Die Vernichtung defekter Munition (Blindgänger), mit Kriegsbeginn auch Beutemunition, erfolgte durch Sprengung in einer im westlichen Teil der LMuna gelegenen Kiesgrube.
Mit Kriegsende war in der LMuna auch Munition anderer Heeresverbände vorhanden, da durch die Verschiebung der Frontverläufe Umlagerungen erfolgten.

August 1939
Erfolgte die Planung eines Erweiterungsbaues auf zwei Grundstücken. Da bei der Planung festgelegt wurde diese neuen Grundstücke im Grundbuch einzutragen, aber nur ein Eintrag erfolgte, ist davon auszugehen das nur ein Verkauf erfolgte.
Die Erweiterung diente zum Beispiel für den Bau von Unterkunftsbaracken für die dienstverpflichteter Frauen, Feuerlöschteich, Lagerschuppen.

Bunker in der MUNA
 
Schwertstein
Aufnahme aus dem Jahr 1937 bei einem Spaziergang in der LMuna.
Der Stein ist verloren gegangen, zuletzt wurde er noch 1955 gesehen.
Wiedereinweihung
 

Die „Harmlosigkeit und Schönheit“ der LMuna wurde in einem Artikel vom 31.05.1943 im Eisenberger - Nachrichtsblatt geschildert.
Der Artikel betraf zwar nicht die LMuna Oberndorf, sollte aber dafür stehen.

1940
Leiter der LMuna 5/IV war ein Major Adam.
Aufgrund der Erweiterung nach Nord - Osten wurde der Verbindungsweg von Bad Klosterlausnitz und Tautenhain nach Rüdersdorf unterbrochen. Als Ersatz errichtete die Luftwaffe in dieser Zeit eine Schneise, die allgemein als „Republikaner“ bekannt ist, ein. (10)

März 1943
Der Personalbestand betrug 55 Besoldungsempfänger und 70 dienstverpflichtete Frauen.

 

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Wachpersonal der LMuna nach einer Schießausbildung um 1943.
Zuvor kurzer Besuch Teufelstalbrücke.
 

1944
Begann der Bau eines Häftlingslagers mit insgesamt drei Baracken. Völlig falsch sind Aussagen, wonach die Häftlinge zunächst in Erdlöchern hausten und sich ihre Unterkünfte selbst bauen mussten. Im Jahr 2002 erfolgte Forschungen belegen, dass es zwei Häftlingsbaracken und einen Sanitärbereich gegeben hatte. Die ersten Häftlinge kamen per Zug am 16.11.1944 aus Buchenwald. Es waren 92 Männer, wobei man für die fehlenden acht Mann, die bis Hundert fehlten, Ersatz schickte, und zwar die Häftlinge mit den Nummern 674, 21243, 40961, 48691, 61301, 11837, 37977, 78333.
Die Häftlinge hatten die verschiedensten Nationalitäten, dabei waren Franzosen, Deutsche, Polen, Tschechen, Russen, Serben, Italiener und vermutlich auch zwei Holländern. (11)

Die Häftlinge wurden streng bewacht und in den Munitionsarbeitshäusern zur Endmontage von Bomben, das Zerlegen von fehlerhafter Munition und Beutemunition und zum stapeln von Bomben im Freien eingesetzt. Auch für die Bewachung der Häftlinge durch SS-Einheiten gibt es keine überprüfbaren Belege. Dies wurde immer wieder zur DDR-Zeit angeführt. Die für die Bewachung der Häftlinge eingesetzten Angehörigen der Luftwaffe sind zum Teil Folter und Kriegsverbrechen anzulasten.

Es gab außerdem einen „Kapo-Führer“. Kapo war die Abkürzung für Kasernenpolizei. Der Kapo - Führer hatte die Aufsicht über die Gefangenen. Eine Armbinde mit der Aufschrift „KAPO“ stellte ihn über die Gefangenen. Dieser Aufseher, ebenfalls ein Häftling, wurde als unmenschlich und grausam beschrieben. (12)

Ernst Saratka (ein Tscheche) wurder als Feuerwerker in der LMuna angestellt. Zu seinem Aufgabenbereich gehörte die Ausbildung von ca. fünf Häftlingen zur Munitionsentschärfung. Alle seine ausgebildeten fünf Häftlingen kamen bei einer Entschärfung ums Leben, wobei zu den Gründen (fahrlässig oder vorsätzlich) heute keine Aussagen mehr möglich sind. (13)

01.01. bis 28.02. 1945
Der Einmarsch der Alliierten stand unmittelbar bevor. Infolgedessen wurde der Befehl: „Kein Häftling darf lebendig in die Hände des Feindes fallen.“ erteilt. Laut dem Heft „Todesmarsch“ fanden zwei Transporte statt, die beide das Ziel Buchenwald hatten. Im ersten Marsch, Anfang Februar 1945, wurden circa 300 Häftlinge aus der LMuna und beim Zweiten, Ende Februar, 100 Häftlinge evakuiert. Diese, wahrscheinlich in der DDR-Propaganda, verfälschten Zahlen müssen aufgrund neuer Recherchen widerlegt werden. Für 400 Häftlinge gab es in der LMuna keinen Platz, keiner der Zeitzeugen sprach über solche Zahlen. (14)
„Ab dem 18.02.1945 wurden die Gefangenen auf zwei verschiedenen Wegen aus dem Außenlager getrieben. Ihr Weg führte vom Lager in Richtung Lindenkreuz, weiter über Eineborn und Ottendorf, bis nach Stadtroda. Den weiteren Weg kann man jedoch nicht mehr rekonstruieren. Sicher ist aber, dass die Häftlinge circa 15 Tage  unterwegs waren. Ziel des Marsches und Angaben über die Anzahl der Toten sind unbekannt. Doch bereits wenige Kilometer nach Oberndorf gab es etliche Tote.“ (15)

Eine Liste im Konzentrationslager Buchenwald (16) gibt Auskunft über die Zahl der 200 Häftlinge (Stand 01.01.1945):

01.01.1945 bis 17.01.1945 200 Häftlinge    
18.01.1945 199 Häftlinge 1 Todesfall
19.01.1945 198 Häftlinge 1 Todesfall
20.01.1945 bis 24.01.1945 196 Häftlinge 2 Todesfälle
25.01.1945 bis 01.02.1945 195 Häftlinge 1 Todesfall
02.02.1945 bis 04.02.1945 194 Häftlinge 1 Todesfall
05.02.1945 bis 12.02.1945 102 Häftlinge 2 Todesfälle
13.02.1945 100 Häftlinge 2 Todesfälle
14.02.1945 bis 17.02.1945 98 Häftlinge 2 Todesfälle
18.02.1945 bis 21.02.1945 4 Häftlinge 94 Todesfälle
22.02.1945 bis 28.02.1945 3 Häftlinge 1 Todesfall

In der Liste werden die Abgänge = Todesfälle mit deutscher Genauigkeit und Gründlichkeit wiedergegeben. Dies Liste belegt, dass das Häftlingslager zwischen dem 02.02.1945 bis 12.02.1945 und dem 18.02.1945 bis 28.02.1945 geräumt wurde. Weder das geplante Ziel noch die genauen Etappen sind bekannt. Fest steht nur, das die Orte Oberndorf, Hermsdorf, Eineborn, Ottendorf und Stadtroda durchlaufen wurden. Mit Sicherheit führte der Marsch auch über Hermsdorf und wurde später deshalb vermutlich durch Zeitzeugen mit dem 09.04.1945 in Verbindung gebracht.
Todesfälle in der LMuna gab es vom 01.01.1945 bis zur Räumung 5. Vermutlich durch Unfälle bei Entschärfung, oder durch Ermordung nach einem Fluchtversuch (z. B. an Baum gefesselt und erfrieren gelassen).

April 1945
Der deutsche Standortälteste der LMuna wollte, bevor die Amerikaner hier eintrafen, das gesamte Munitionsdepot in einem Zuge sprengen. (17) Grundlage war der Zerstörungsbefehl Hitlers (Nero - Befehl) vom 19.03.1945. Im Falle einer Sprengung wären die umliegenden Orte durch die ungeheure Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen und möglicherweise zum Teil zerstört worden. Pläne für eine Evakuierung aller Bewohner des Ortes in die Wälder lagen schon vor. Die Einwohner hatten schon Lebensmittel und Bekleidung in Rucksäcken und Koffern verstaut.
Auch die Wohnobjekte und weiteren Einrichtungen sollten gesprengt werden. Dazu wurden größere, mit weißen Kreuzen gezeichnete Bomben, in die Objekte gebracht. (18)
In letzter Minute verhinderten drei Feuerwerker der LMuna, u. a. der Feuerwerker Otto Taubert , die bereits vorbereitete Sprengung, indem sie die elektrische Hauptzündungsleitung von der aus weitere Leitungen zu den einzelnen Munitionsstapeln führten, durchschnitten.
So waren entlang des 1000-Meter-Weges aufgestapelte Munition, 200 neue Flugzeugmotoren und Bomben mit Sprengladungen versehen. Tatsächlich unbekannt ist aber, in welchem Umfang die Zündkabel verlegt waren und ob alle Munitionsbunker / Freilager angeschlossen waren.
Eine tatsächliche Sprengwirkung wird hier nur in die Aussagen der Zeitzeugen interpretiert. Wie die späteren Sprengungen der Amerikaner und Russen sowie die durch Waldbrände ausgelösten Detonationen waren Folgeschäden aber erheblich. Dies Sprengungen bewirkten mit Sicherheit eines: eine geringere Zerstörung der Lagerbestände, dafür aber die weiträumige Verseuchung des gesamten Gebietes.

 
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste des Häftlingslagers.
 

05.04.1945
Neben verschiedenen kleineren Bombenabwürfen (Restbestände von Angriffen) in den Vorwochen, gab es am 5. April einen ersten Bombenangriff auf Hermsdorf. Getroffen wurden Häuser der Kirchenholzsiedlung, wobei es neun Verletzte gab.

09.04.1945
Den Alliierten war die LMuna Oberndorf ab November 1944 bekannt. (19) Hermsdorf erlebte an diesem Tag die schwersten Bombenangriffe mit tödlich Verletzten und erheblichen Schäden. Die LMuna wurde ebenfalls am 09.04.45 von einigen Jabos bombardiert. Hier waren die Schäden aber vergleichsweise gering. Der Angriff sollte eigentlich das noch vom Vortagesangriff her brennende Heerestanklager der Wifo (20) in Münchenbernsdorf angreifen, um die Löscharbeiten zu stören. Das Tanklager brannte noch immer stark, sodass man dort auf einen Bombenabwurf verzichtete und sich der 2. Tagesaufgabe widmete, der bewaffneten Aufklärung im Raum Weimar-Weißenfels-Zeitz-Gera-Saalfeld. Dabei entdeckte der Verband durch Zufall ein größeres Objekt im Wald, vermutlich ein Munitionsdepot und warf die Bomben dort ab.

11.04.1945
Vormittags wurde am Bahnhof Hermsdorf - Klosterlausnitz ein Munitionszug bei Bombenangriffen getroffen und explodierte. Dabei gab es drei Tode Militärangehörige. Der Wald im Bereich des Stellwerkes wurde fast vollständig vernichtet und die in der Nähe befindlichen Häuser beschädigt. Vermutlich sollte der Zug auch in die LMuna gebracht werden. Munitionsreste wurden einfach neben dem Bahnhof in eine Hohle geschüttet und mit Erde bedeckt.
Eine Luftaufnahme vom 10.04.1945 belegt, dass noch zwei weitere Züge im Bereich der LMuna standen.
Die LMuna war also noch bis kurz vor Schluss in Betrieb.

12.04.1945
Die Luftwaffe demontierte sämtliche Maschinen in der LMuna und verbrachte diese mit Waggons bis Neumühle (Greiz). Dort wurden diese später durch den Landrat verkauft. (21)

13.04.1945
Die LMuna wurde durch amerikanische Truppen besetzt. Alle deutschen Militärangehörigen und Personal hatten das Objekt zuvor aufgegeben. Die Formulierung „kampflos übergeben“ ist unzutreffend, weil keine Übergabe stattgefunden hat.
Die Amerikaner überprüften umgehend begangene Kriegsverbrechen. So sollte zum Beispiel der Landpolizist Karl Senf (22) auf dem Rathausplatz Hermsdorf erschossen werden. Senf überlebte die Erschießung und starb in den 1960er Jahren in Laasdorf. Senf hatte sich einen gefangenen amerikanischen Piloten von Luftwaffenangehörigen der LMuna übergeben lassen und führte ihn ab. Unweit der Wüstung Rimmelsdorf, neben einer kleinen Plantage erschoss er ihn.
Festgenommen wurden von den amerikanischen Besatzern auch Karl Götze (Schulleiter und Ortsgruppenleiter von Weißenborn) und dessen Stellvertreter Walter Weise "Tischer". Die US-Truppen kamen durch das Krotenloch nach Weißenborn und schossen eine MG-Salve in das Dach der ehemaligen Gaststätte "Thüringer Hof". Götze und Weise kamen das Internierungslager Bad Kreuznach. Sie kehrten später von dort nach Weißenborn zurück.

Die LMuna fiel unter die Bestimmungen des Alliierten Kontrollrates, wonach Militäreinrichtungen und Rüstungsbetriebe zu vernichten waren. Die Amerikaner verpflichteten deutsche Bürger und Fuhrwerke aus den umliegenden Ortschaften. Diese mussten umfangreiche Munitionsmengen, die sich außerhalb der LMuna befanden, nach dort verbringen. Hier erfolgte die Sprengung, ebenso der Freilager. Ein Plan zur gleichzeitigen Sprengung der gesamten Munition wurde verworfen. Trotzdem gab es Schäden im Umfeld.
Die Amerikaner hatten das Gelände nie richtig unter Kontrolle. Dies widerlegt auch die Meinung von Zeitzeugen, wonach in der LMuna zwischen 10.000 bis 15.000 Amerikaner (23) stationiert gewesen sein sollen. Eine Zahl, die nicht nur durch noch laufenden Kriegshandlungen in Deutschland völlig undenkbar war. Die Zeitzeugen machten zudem unterschiedliche Aussagen darüber, wer die Verantwortung für die Sprengung trug. So sollen es deutsche Firmen (24), der ehemalige Leiter der LMuna (25) bzw. die US-Truppen selbst (26). Weder deutsche Firmen waren zu dieser Zeit involviert, noch befand sich der Wehrmachtsangehörige und Leiter zu dieser Zeit im Lager, er wäre sofort in Kriegsgefangenschaft gekommen.

03.05.1945
Hermsdorfers Bürgermeister Wilhelm Sperhake übernahm von sich aus die Aufsicht über die LMuna. Er begründete dies damit, weiteren Plünderungen Einhalt zu gebieten. Warum er Gleiches nicht auch am Rasthof Hermsdorf veranlasste, bleibt ein Rätsel. Darüber unterrichtete er den Landrat in Stadtroda.

„Nachdem die Explosionen im LMuna - Lager wesentlich eingeschränkt sind, habe ich gestern eine Besichtigung des gesamten Lagers vorgenommen. Die Verwüstungen durch die Explosionen im Wald sind erschreckend, aber noch verheerender sind die im Wohnblock der LMuna durch Plünderungen entstandenen Schäden. In den umfangreichen Verwaltungsgebäuden und Baracken befindet sich nicht ein einziger Gegenstand mehr. Wertvolle Kachelöfen sind, um eine Herdplatte zu gewinnen, zertrümmert, komplette Badeeinrichtungen und Wasserklosetts sind abmontiert und abtransportiert worden. Jetzt geht man sogar daran, die Baracken abzureißen und aus den Häusern die Fenster ohne Glas zu entfernen. Diesmal sind Bürger der Ortschaften Bad Klosterlausnitz, Kraftsdorf, Oberndorf, Tautenhain usw. gekommen. Wie mir berichtet wurde, sind die Bauern mit zweispännigen Fuhrwerken in der LMuna  erschienen, um die geplünderten Sachen abzutransportieren. Dieser Zustand darf doch nicht geduldet wurden. Der Bürgermeister von Bad Klosterlausnitz, der nach meinem Ermessen zuständig wäre, scheint nicht die Zivilcourage zu besitzen, gegen die Plünderungen einzugreifen. Ich habe gestern Erlaubnisscheine zum Betreten der LMuna von diesem gesehen, die er nicht hätte ausstellen dürfen. Um in der LMuna einigermaßen wieder Ordnung zu schaffen, bitte ich Sie, bis zur anderweitigen Regelung mir die Verwaltung der LMuna zu übertragen. Ich will versuchen, durch Einsatz und ständiger Polizeistreifen und mit einigen früher in der LMuna beschäftigen Angestellten den Plünderungen Einhalt zu gebieten. Bitte geben sie mir schnellstens Bescheid und teilen Sie Ihren Entschluss der Gemeindeverwaltung Bad Klosterlausnitz ebenfalls mit, damit kein gegeneinander Reagieren entsteht."
 
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste eines Bunkereinganges.
Von Sandy Jahn und Marie Petermann 2002 dokumentierte Reste eines Bunkereinganges.
Der Bad Klosterlausnitzer Jugendliche Günther Poppe 1946 vor einem Bunkereingang.
Der Bad Klosterlausnitzer Jugendliche Günther Poppe 1946 vor einem Bunkereingang.
 

Ab 11.05.1945
Es kam im Gelände der LMuna an mehreren Stellen zu Waldbränden, damit verbunden zu (teilweise riesigen) unkontrollierten Sprengungen von Munitionsfreilagern. Über deren Ursachen gibt es unterschiedliche, aber nicht überprüfbare Ursachen:

  • Rachehandlungen von Fremd- und Zwangsarbeitern,
  • unsachgemäßer Umgang mit Phosphor und Treibladungen durch Bauern, die das Material als Dünger nutzen wollten,
  • Fahrlässige Handlungen beim Umgang mit Munition und Sprengungen.

13. bis 23.05.1945
Es erfolgten zahlreiche weitere, durch die Waldbrände ausgelöste Explosionen. Die Amerikaner legten darauf hin mit Panzern und Bulldozern Brandschutzstreifen an. Zwangsverpflichtete Deutsche wurden zu Lösch- und Aufräumungsarbeiten eingesetzt. So wurden die Freiluftlager geräumt, Bomben in vorhandene Trichter geworfen und sofort gesprengt.
Besonders die durch die Waldbrände verursachten Sprengungen führten zur weiten Verteilung von scharfer Munition aller Art und Munitionsreste. Die Bäume wurden durch Splitter belastet. Das Holz wurde durch die Forstbehörde der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Dabei kam es bei der Rodung der Baumstöcke zu mindest einem tödlichen Unfall durch die Explosion eines Blindgängers.

31.05.1945
Hermsdorfer Bürgermeister Sperhake erhielt das Schreiben des Landrates:

Herr Bürgermeister Sperhake, Hermsdorf/Thüringen - Im Einvernehmen mit dem von der Militärregierung bestellten Verwalter für die beschlagnahmten Vermögensmassen, Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Schneider in Jena, übertrage ich Ihnen hiermit die Verwaltung der Munitionsanstalt Oberndorf. Ihre Aufgabe war es insbesondere, das gesamte Vermögen der LMuna sicherzustellen und vor weiteren Schädigungen zu bewahren. Ich habe den Herrn Landrat in Gera gebeten, dieser Maßnahme zuzustimmen, damit Sie in der Lage sind, auch die im Landkreis Gera liegenden Vermögenswerte sicherzustellen. Die Bürgermeister von Klosterlausnitz und Tautenhain haben Abschrift dieses Schreibens erhalten.

10.06.1945
Bürgermeister Sperhake stellte fest, dass kurz vor Einmarsch der Amerikaner, aus der LMuna 53 Waggons mit Maschinen und anderen Materialien nach Neumühle bei Greiz gebracht wurden. (Dort vom Landrat später verkauft.) 17 Ochsen aus der ehemaligen LMuna wurden bei Bauern der Umgebend sichergestellt.
Aus dieser Zeit nach dem Krieg berichtete Horst Leisering (27):

Damals mussten sich … alle gesunden, arbeitsfähigen, aber nicht in Arbeit stehenden Männer an Aufräumungsarbeiten in der LMuna beteiligen. Wer sich weigerte, teilzunehmen, erhielt keine Lebensmittelkarten. Auch ich erhielt jetzt eine Aufforderung. Die LMuna war ein im Wald gelegenes, viele hundert Hektar großes Munitionslager der ehemaligen Luftwaffe, wo nach dem Zusammenbruch noch große Mengen von Fliegerbomben lagerten. In dem Waldgelände lagen verstreut halb in die Erde gebaute Bunker, in denen die Bomben in stabilen, sargähnlichen Holzkisten bis unter die Decke gestapelt waren. Diese Bombenkisten erfreuten sich bald allgemeiner Beliebtheit, weil sie sich trefflich in Karnickelställe verwandeln ließen.  … Ich wurde einer Kolonne zugeteilt, die die Aufgabe hatte, die Bomben aus den Bunkern zu schaffen und stückweise auf von Pferden gezogene Ackerwagen zu laden. Die Bomben wurden danach an den Rand eines tiefen, trichterförmigen Kraters gefahren, in dem sie gesprengt wurden. Monatelang konnte man Tag für Tag das Krachen der Sprengungen hören. Der Wald um den Sprengkrater war in weitem Umkreis durch die herum fliegenden Bombensplitter wie abrasiert. Ein gespenstischer Anblick. Um die Bomben, die in drei oder vier Kisten übereinandergestapelt waren, aus den engen Bunkern zu bekommen, hatten wir als einziges Werkzeug nur große Brechstangen. Damit hebelten wir Kiste für Kiste soweit von ihrem Stapel, bis sie schließlich das Übergewicht bekam und auf den Boden krachte. Das war mir in der ersten Zeit sehr unheimlich, weil ich immer daran denken musste, dass die Bombe durch den Aufprall auf den harten Zement des Bunkerboden explodieren könnte. Aber die älteren, erfahrenen Leute in unserer Kolonne erklärten mir, dass das TNT, der Sprengstoff in den Bomben, die natürlich ohne Zünder gelagert wurden, durch Schlag nicht zu entzünden sei. Sogar die Flamme eines Streichholzes würde nicht ausreichen. Mir blieb die Sache trotzdem sehr unheimlich. Die Arbeit war, auch wenn das stimmte, noch gefährlich genug. Man musste höllisch aufpassen, dass die vom Stapel herunter krachende Bombe einem in den engen Bunkern die Knochen nicht zerschlug. …

02.07.1945
Thüringen wurde durch die russischen Truppen besetzt. Die Führung quartierte sich im Waldhotel „Zur Köppe“ ein, das zuvor bereits durch amerikanische Besatzer genutzt wurde.
In Berichten von Zeitzeugen zu Verschleppung, oder das Verschwinden von Deutschen spielen die sowjetischen Besatzer wiederholt eine Rolle. Bekannte Beispiele (in denen die LMuna eine Rolle spielen könnte) hierfür sind:

  • Karl Schmidt * 20.06.1892 - Ortspolizist von Hermsdorf, wurde von russischen Besatzern im November 1945 abgeholt. Es gibt hinweise, dass er von Angehörigen des Antifakomitees Hermsdorf grundlos denunziert wurde. Er wurde nie wieder gesehen.
  • Ernst Beyer * 15.07.1891 - Wirt des „Hotel Beyer“ in Bad Klosterlausnitz, wurde am 18.11.1945 von den Russen abgeholt. Sein Verhängnis war es, betrunkenen russischen Soldaten, den von ihnen geforderten Schnaps zu verweigern. Er kam nie wieder. Nach unbestätigte Aussagen soll er in die LMuna verschleppt worden sein.
  • Sohn des Gastwirts Helbing - Sohn des Gastwirts „Waldschlösschen“ soll in der LMuna beim Streit mit Russen wegen seiner Lederjacke umgebracht worden sein. Später gab es Gerüchte, er sei von Bandenmitgliedern umgebracht worden. Sein Leichnam verblieb aber nicht in der LMuna, sondern wurde bestattet.

Mitte Juli 1945
Kinder sammelten in der LMuna Munition und warfen diese auf die Autobahn in Höhe Kirchenholzsiedlung. Auf dieser war gerade ein größerer russischer Trost mit Panjepferden unterwegs. Die geworfene Munition explodierte. Die Russen beschossen daraufhin den angrenzenden Wald. Die Kinder flüchteten, wurden aber eingefangen.
Die Russen wollten diese an Ort und Stelle aufhängen und hatten dazu bereits die Stricke vorbereitet. Der Hermsdorfer Lehrer Otto Kramer war gerade zur Aufräumarbeiten der Bombenschäden in der Kirchenholzsiedlung eingesetzt. Er konnte russisch sprechen und verhinderte durch sein Eingreifen, das die Kinder tatsächlich erhängt wurden.
Nach kräftigen Ohrfeigen wurde sie dann nach Hause entlassen.

22.07.1945
Die Bürgermeister von Hermsdorf und Umgebung berichteten an die Landräte von Gera und Stadtroda über Verhandlungen mit der Roten Armee zwecks Sprengung der Munition und Einsatz von Arbeitern in der LMuna. Die Gemeinde Hermsdorf stellte täglich 45 Mann für Arbeiten in der LMuna. Die Sprengarbeiten sollten in 50 Tagen erledigt sein.

24. bis 31.07.1945
Großsprengungen in der LMuna führten zu Schäden in den umliegenden Ortschaften, sogar in Gera.
Proteste und Verhandlungen führten ab da dazu, dass über geplante Sprengungen vorher informiert wurde.

27.07.1945
Oberleutnant Pawlow von der Roten Armee gab Befehl über eine weitere Sprengung in der LMuna bekannt. Bei den Sprengungen wurden Sprengtrichter mehrfach, mit Ladungen von 10 bis zu 20 t Munition, verwendet. Der Erfolg war, dass nur die um die Sprengkörper zerstört wurden, die unmittelbar an der Zündquelle lagen. Die restliche Munition wurde bis zu 5 km im Umkreis verstreut. Beteiligt daran waren auch zwangsverpflichtete Deutsche. Deren Arbeiten erstreckten sich noch bis 1947, wobei es auch mehrfach zu Unfällen gekommen sein soll.

23.07.1946
Am 23.07.1945 berichtete die Tageszeitung Thüringer Volk davon, dass die Sprengungen beendet seien. Den guten Verlauf schrieb man dem Bürgermeister Sperhake sowie der Partei zu.

 
23.07.1946 Das Thüringer Volk
 

1946
Die Rote Armee stationierte im ehemaligen Verwaltungsbereich eine kleinere Einheit und errichtete dort eine Schweinezucht zur Versorgung ihrer Armeeangehörigen.

1947 bis 1952
Otto Taubert (siehe April 1945) wurde durch Bürgermeister Wilhelm Sperhake als Verantwortlicher für die Schrotverwertung eingesetzt. Er kam regelmäßig in die Gemeindeverwaltung Hermsdorf und rechnete dort die Einnahmen für den Schrotverkauf ab. Zwischen 1947 bis 1952 (die genaue Zeit ist derzeit nicht bekannt) kam er bei einem Sprengunfall ums Leben.

11.03.1947
Bei einer Sprengung wurden Schäden in Höhe von insgesamt 16.764,46 RM verursacht. Die Bevölkerung war zuvor über die Presse und Lautsprecher auf die Sprengung hingewiesen. Diese fiel dann aber so erheblich aus, das es größere Schäden gab. Glasermeister Karl Wetzel in Hermsdorf erhielt für die Behebung der Schäden allein am Rathaus 517,20 RM Es wurden 34,48 qm Glas verwendet. Die Druckwelle war so gewaltig, dass diese die Wolken am Himmel wegfegte. Eine Sprengung in dieser Größenordnung wurde dann nie mehr vorgenommen.

Januar 1948
Es wurde beschlossen, das Holzfällerkommando in der LMuna aufrechtzuerhalten, es sollte gegen Zahlung von Akkordlöhnen weiter arbeiten. Beim Rechnungsabschluss des Jahres 1947 ergab sich eine Mehreinnahme von 247,90 RM. Die Holzfäller räumten den Wald der LMuna auf und schafften so Brennholz, ein Himmelfahrtskommando.

Ende Mai / Anfang Juni 1948
Zogen die letzten sowjetischen Truppen aus der LMuna ab. Das Gelände ging an das Land Thüringen über. Ab Oktober begannen die Aufräumungsarbeiten.
Im Wohnbereich wurde die Forstverwaltung untergebracht.

 

1948 - 1952
Es wurde eine kleine Neubauernsiedlung  „Goldborn“ geplant und die ersten Häuser gebaut. Außerdem wurden zahlreiche Parzellen als Kleingarten vergeben.
Das Projekt wurde 1952 gestoppt und die Häuser wieder abgerissen. Die Begründung für die Öffentlichkeit lautete "Sumpfgebiet" und "niedrige Bodenwertzahl".
Tatsächlich aber war das Gebiet durch die Sprengungen der Vorjahre Munitionsverseucht und der Rückbau erfolgte. Nicht bestätigten Aussagen nach gab es bei der
Bebauung einen Sprenunfall mit Todesopfer.
Laut Planung sollte sich der Ort von westlich der Verwaltung bis zum Republikaner Weg erstrecken. Auf einer Fläche von 266 ha sollten 80 Siedlerstellen errichtet werden. (28)

Von den Siedlern / Neubauern, die dort eine neue Heimat finden sollten, sind noch nachfolgende Namen bekannt:

  • Furchert, Wilhelm (Obermelker),
  • Grätshus, Gustav (Landwirt),
  • Grussert, Rudolf (Heilpraktiker),
  • Gwiadowski, E. (Tischler),
  • Lösch, Michael (Landwirt).

Neubauernsiedlung „Goldborn“

Neubauernsiedlung „Goldborn“
Ausschnitt des Planes von oben.
Die Flurbezeichnungen und geplanten Objekte wurden nachgezeichnet.

Neubauernsiedlung „Goldborn“

Schriftverkehr zum "Goldborn" vom 12.07.1949
Schriftverkehr zum "Goldborn" vom 12.07.1949

Schriftverkehr zum "Goldborn" vom 29.07.1949
Schriftverkehr zum "Goldborn" vom 29.07.1949


Neubauernsiedlung „Goldborn“

 

06.09.1948
Bei einem Versuch einer Entschärfung einer 250-kg-Bombe in der LMuna kam es zu einer Explosion, durch die fünf Personen getötet wurden:

  1. Karl Hädrich - Bürgermeister von Oberndorf
  2. Herbert Piper - Polizeihautwachtmeister Kraftsdorf
  3. Walter Schilling - Polizeirat - Kreispolizeiamt Stadtroda (Leiter Schutzpolizei)
  4. Kurt Blumentritt - Polizeihauptwachtmeister Gera
  5. Kurt Zorn - Polizeiwachtmeister Gera

Eine völlig leichtsinnige Aktion, da hier 17 Personen beteiligt waren und nicht alle über eine entsprechende Ausbildung  verfügten.

 

Thüringer Volk 08.09.1949

Thüringer Volk 11.09.1949

Thüringer Volk 09. und 13.09.1949

 
Im Zusammenhang mit den Untersuchungen zu den Skelettfunden (siehe 12.01.2000) wurden die Namen Gegenstand einer Untersuchungen. Hat sich in der Folge durch DNA Untersuchungen aber nicht bestätigt.
Der Heimatverein Rüdersdorf setzte am 19.05.2004 zu diesem Sprengunfall ein Gedenkstein.
Der Heimatverein Rüdersdorf setzte am 19.05.2004 zu diesem Sprengunfall ein Gedenkstein.

Der Heimatverein Rüdersdorf setzte am 19.05.2004 zu diesem Sprengunfall ein Gedenkstein.
Der Heimatverein Rüdersdorf setzte am 19.05.2004 zu diesem Sprengunfall ein Gedenkstein.

13.10.1948
Beginn der Beräumungsarbeiten durch den Munitionsbergungsbetrieb der DVP. Bis III/1952 wurden 160 ha beräumt. (29)

 
 
Dezember 1948
Das Ministerium für Volksbildung begann mit der Errichtung einer Anstalt für elternlose und schwer erziehbare Kinder, unter der Bezeichnung „Thüringer Jugendheim Bad Klosterlausnitz. Im ehemaligen Verwaltungsbereich wurde dieses Erziehungsheim eingerichtet. Es hatte auch ein Kino, welches durch die Bevölkerung besucht werden konnte. Das „Jugendwaldheim“ bestand bis zur Übername des Objektes durch die KVP im Jahr 1953. Der Name „Jugendwaldheim“ blieb bis heute erhalten.

März 1951
Beim Ausbau des Jugendwaldheims kam es zu einer Explosion, bei der zwei Menschen starben.   

 

Sprengtrichter im Jahr 1952
Sprengtrichter im Jahr 1952
Mit Wasser gefüllte Sprengtrichter 1952
Mit Wasser gefüllte Sprengtrichter 1952
1952
Rudolf Feustel schrieb 1952 eine Arbeit mit dem Thema: „Die Entwicklung der Kulturlandschaft in den Gemarkungen Hermsdorf - Bad Klosterlausnitz - Weißenborn“. Darin finden sich auch Fotos von Sprengtrichtern in der LMuna, von erheblichen Ausmaßen.

1952
Bis 1953 (andere Quellen sprechen von 1955) wurde die Munitionsräumung eingestellt.

1953
Im Jahr 1953 übernahm die Kasernierte Volkspolizei, später Nationale Volksarmee, das Objekt. Ab 01.03.1956 war das Panzerbataillon 24 stationiert.
Ab 1953 wurde ein ständiger Munitionsbergungsbergungsbetrieb - eine Diensteinheit der Deutschen Volkspolizei - eingerichtet. Der Standort galt und gilt immer als Großfundstelle.

1955
Oberflächenberäumung des zukünftige Übungsgelände (252 ha) der NVA. Nachsuche mittels Stabsonde nochmals 1956 ergab einen Fund von 1177 Sprengkörpern.

Mai 1956
Es erfolgte die oberflächenmäßige Beräumung von 6 ha, des als Schießplatz vorgesehenen Geländes.
Gefunden wurden:

  • 35 Granaten bis 5 cm
  • 351 Granaten und Granatenteile bis Kaliber 15 cm
  • 462 Stabbrandbomben und Elektronen
  • 70 Brandbomben
  • Vielzahl Sprengkörper verschiedener Art

Mitte 1956
Der Munitionsbergungsbetrieb meldete den Fund und Beräumung von bisher 1200 t Sprengkörper.

1958
Fortsetzung der Oberflächenberäumung durch den MBD mit:

  • 1 Sprengmeister,
  • 2 Brigadeleitern,
  • 12 Sprengarbeitern,
  • 2 Kraftfahrern.
  • 2 Wächtern.

Ein Jahr später kam die planmäßige Beräumung zum Erliegen. (30)

1958 / 59
Fund von zwei Leichen, in der Nähe eines halb zerstörten Lagerbunkers, in ca. 30 cm Tiefe. Uniformreste ließen auf deutsche Soldaten schließen, es wurden aber keine Erkennungsmarken gefunden. Über die Opfer oder das Ergebnis der Untersuchungen liegen keine Erkenntnisse vor.
Am 10.04.1945 wurde am Bahnhof Hermsdorf - Klosterlausnitz ein Geschützzug und am 11.04.1945 ein Munitionszug bei Bombenangriffen getroffen und explodierte. Auf der Strecke zwischen Bahnhof und Hirschwiese war ein Munitionszug aus der LMuna herausgezogen und auf diesem Abschnitt zusammengestellt worden. Der Zug war gerade zur Abfahrt Richtung Gera bereit. Ein Jabo hatte dieses Ziel entdeckt und warf auf den Zug Bomben ab. Lokomotivführer, Heizer, Zugführer und Stellwärter konnten sich unter Lebensgefahr noch in den Tunnel unter dem Bahndamm an der Hirschwiese flüchten.
Bei Angriff am 10. April kamen drei Militärangehörige ums Leben, die als Bedienungspersonal eines Flakgeschützes eingesetzt waren. Dieser Umstand wurde erst später ermittelt. Einen Eintrag im Standesamt Hermsdorf zu diesen Toden gibt es nicht, ebenso keine Bestattung auf dem Friedhof Hermsdorf. Es könnte hier ein Zusammenhang zu den Leichenfunden bestehen.

1962
Ein Schießplatz für Schützenwaffen wurde eingerichtet und das Gebiet weiträumig als Sperrgebiet erklärt.

1963
Die Truppenbelegung wurde geändert, das Panzerbataillon zog ab, die Raketenabteilung RA-11 „Magnus Poser“ mit ca. 100 Mann zog in das Objekt ein. Im Jahr 1988 erfolgte der Umzug in die neue Kaserne nach Tautenhain.

1964 / 65
Fund eines Skeletts in der Nähe der Autobahnrampe. Es fanden sich außerdem Reste von Zivilkleidung. Über das Opfer oder das Ergebnis der Untersuchungen liegen keine Erkenntnisse vor.

1967
Vom Kommando Feuerwehr Gera übernahm 1971 die FFW-Hermsdorf das Tanklöschfahrzeug TLF 15 vom Typ G5. Es wurde provisorisch bei der Firma Langbein auf dem „Berg“ untergestellt. Einen spektakulären Einsatz beim Kommando Feuerwehr Gera (Berufsfeuerwehr) hatte der Tanker bei zwei Waldbränden in der LMuna Hermsdorf. Ein Beschäftigter des damaligen Munitionsbergungsbetriebes hatte, bei hochsommerlichen Temperaturen und Waldbrandwarnstufe, eine Wiese abgebrannt, Das Feuer griff rasch auf den Wald über. Nachdem der erste Waldbrand gelöscht war, wiederholte sich alles noch mal. Rauch war bis in die Innenstadt von Gera zu sehen, stammte aber nicht vom Brand, sondern von großen Nebelkörpern, die im Wald verstreut herumlagen. Beim 2. Einsatz fuhren die Kameraden des Kommando Feuerwehr Gera den gleichen Weg zurück, den sie gekommen waren.
Das Tanklöschfahrzeug TLF 15 vom Typ G5 sackte in einen zugeschütteten Trichter und konnte sich aus eigener Kraft nicht befreien. Dies erfolgte Stunden später durch einen Bergepanzer der NVA.
Heute ist es undenkbar, dass Feuerwehrkräfte direkt im Wald zwischen ungeräumter Munition eingesetzt werden.

1969
Das NVA-Gelände wurde durch Zwangsverkäufe erweitert.

27.07.1972
Aus einem Beschwerdebrief über die schlechte Versorgung mit Obst und Gemüse ist zu erfahren, das im Objekt 13 Familien von NVA-Angehörigen wohnten.

1980 bis 1984
Es gab Planungen zur Beräumung von ca. 240 ha im LMuna Gelände für den Neubau einer Kaserne für die NVA. Erste Arbeiten dazu begannen dafür bereits durch Abrissmaßnahmen sowie 1985 der Bau eines 100 m tiefen Brunnens, der heute noch genutzt wird. Das Projekt wurde aber nicht realisiert. Im Jahr 1988 wurde aber die Raketenabteilung 11 in die neu gebaute Kaserne nach Tautenhain verlegt.

15.01.1991
Die Staatliche Umweltinspektion Gera, Abt. Regionalplanung / Naturschutz / Abfallwirtschaft behauptete in einem Schreiben an das Thüringer Umweltministerium, in der LMuna könnte es zur Einlagerung von Raketenstellungen der V1 und Raketentreibstofflager gekommen sein. Eine solche Aussage wurde weder jemals durch Zeitzeugen gestützt, noch durch irgendwelches Archivmaterial untermauert. Ganz abgesehen davon, dass die Reichweite einer V1 für eine Stationierung völliger Unsinn wäre, ist auch die gleichzeitige Lagerung von Munition, Raketen und Raketentreibstoff wegen der hohen Explosionsgefahr militärisch unlogisch.

1991
Nach Auflösung der NVA wurde das gesamte Gelände von der Bundeswehr als Standort übernommen. Die Gesamtgröße wurde mit 1165 Ha angegeben. Ein Plan im Jahr, dort einen Truppenübungsplatz zu errichten, wurde aufgegeben.

24.06.1994
In der Ostthüringer Zeitung wurde bekannt gegeben, dass das Übungsgelände der ehemaligen NVA, nunmehr Bundeswehr, vollständig gesperrt wurde. Dies sei aufgrund neuer Rechtsverordnungen notwendig. Nach vorsichtigen Prognosen sollte die Räumung noch zehn Jahre dauern.

1995
Die Bundeswehr begann mit erneuter Beräumung, stellt diese aber 1996 wieder ein. Trotz jahrelanger Beräumung muss man davon ausgegangen werden, dass nur ein kleiner Teil des Geländes wirklich munitionsfrei ist. Hinzu kommt, dass die Technik zur Suche früher nur einfach und ungenau war.  Es besteht demnach auch heute noch erhöhte Lebensgefahr.

Seit einigen Jahren werden auf der zu Bad Klosterlausnitz gehörenden Fläche mehrere Gebäude als Behindertenwerkstatt des ASB genutzt. Weiterhin hat sich hier auch ein Jugendklub mit regelmäßigen Jugendveranstaltungen eingerichtet. Ein Gewerbegebiet ist im Bau.
Zwischen Rüdersdorf und Tautenhain soll ein Schutzgebiet Flora und Fauna geschaffen werden. Besonders im Bereich des Himmels- und des Goldgrundes sind noch seltene Pflanzen und Tierarten zu finden.
Staatssekretär Roland Riechwein übergab am 22.12.2000 den Bürgermeister von Bad Klosterlausnitz Reimann einen Förderbescheid von 3 Millionen DM. Das Geld dient der Neuerschließung der LMuna.

Juni 1996
Linus Präßler (Heimatforscher / Ortschronist von Oberndorf) schrieb in der OTZ über die Geschichte der LMuna.

20.10.1999, 10:00
Bürgerversammlung in Rüdersdorf, ein Gastreferent des Ministeriums für Landwirtschaft beantwortete Fragen zum Thema Umwelt und Naturschutz in der ehemaligen LMuna.

20.10.1999, 14:00
Der „Schwertstein“ eine Nachbildung des verloren gegangenen Originales wurde im Juni gesetzt und nunmehr mit einer kleinen Feierstunde eingeweiht.

22.07.1999, 16:00
Eine 250 kg, 110 cm lange und 35 cm dicke Bombe wurde gesprengt. Seit 1995 wurden bereits Tausende Tonnen Fundmunition gesprengt, was bisher Kosten in Höhe von 4,8 Millionen Mark verursachte.
Im Jahr 2000 schrieb die OTZ, es seien 18 Tonnen Fundmunition, mit einem Kostenaufwand von sieben Millionen Mark durch die Bundeswehr beräumt worden.
Beide Artikel sind kein Widerspruch, sondern haben ihre Ursache in unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen. Bezog sich der erste Artikel auf Eigentum des Landes Thüringen, ging es im Zweiten um Bundeseigentum.

 
OTZ vom 27.04.2000

12.01.2000
Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes fanden in einer Tiefe von ca. 1,50 m vier Skelette. Die Sucharbeiten wurden eingestellt und die Kriminalpolizei Gera übernahm die Ermittlungen.

Dazu ausschnittweise aus einer Presseveröffentlichung (31) der KPI Gera (der geschichtliche Teil wurde weggelassen, weil hier geschildert).

Anfang Januar 2000 und einige Wochen später nochmals - meldeten Mitarbeiter eines Munitionsbergungsbetriebes auf dem Gelände der ehemaligen so genannten LMuna, die nahe einer Gemeinde am Rande Geras nur einen Steinwurf weit von der Richtungsfahrbahn der A 4 zwischen Gera und Hermsdorfer Kreuz entfernt liegt, den Fund mutmaßlich menschlicher Gebeine. Das ehemalige Militärgelände wurde in aufwendiger Arbeit großflächig von Munition und Bomben befreit, einer verrotteten, wenn auch noch immer gefährlichen Hinterlassenschaft des 2. Weltkrieges.
Durch die Kripo Gera erfolgte die Bergung der bereits frei gelegten und zum Teil mit dem Bagger durcheinander geworfenen Gebeine; dazu wurden weitere, noch unberührt im Boden liegende Skelette exhumiert. Inzwischen gab es auch eine zweite Fundstelle unweit der ersten. Die Bergungsfirmen aus Regensburg und Gera unterstützten die Bergungs- und Exhumierungsarbeiten mit ihrer Technik im Rahmen des Möglichen. Allerdings war ­ wer solche Arbeit schon verrichtet hat, weiß das - überwiegend sehr vorsichtige Handarbeit nötig. Sie Untersuchung der Gebeine erfolgte im Rechtsmedizinischen Institut der FSU Jena. Hier stellte man nach aufwendiger Analyse fest, dass es sich um die Überreste der Körper von mindestens 9 Männern in im Alter von 20 bis ca. 60 Jahren handelte. Dass sie bürgerliche Kleidung trugen, belegten Textilreste und lederne Schuhe. Die Liegezeit in der Erde wurde grob mit etwa 50 Jahren angegeben. An zwei Gebissteilen konnten zahnärztliche Arbeiten nachgewiesen werden, wie sie für die damalige Zeit in Deutschland üblich waren. Das traf für eine solide gearbeitete Goldbrücke ebenso zu, wie für ein künstliches Gebiss. Letzteres trug auch eine deutsche Firmenbezeichnung.
Nicht nur die Lage der Toten in dem Waldgelände wies auf ein Verbrechen hin. Mindestens sieben Schädel ließen (Ein)Schussverletzungen in den Hinterhauptbereichen erkennen. An der Ermordung der Männer, wahrscheinlich unmittelbar am Ort des Auffindens, konnte es keine vernünftigen Zweifel geben. Auch die Lage der übereinander geworfenen Körper im Erdreich gab Hinweis auf das wahrscheinliche Geschehen: Der oder die Mörder traten von hinten an die Männer heran und schossen aus kürzester Distanz . So war zu ermitteln:

Wer waren die Opfer?
Wann ereignete sich das Verbrechen ?
Wer sind/waren ihre Mörder?

Ein Zusammenhang mit dem ehemaligen Charakter des Geländes und seiner militärischen Nutzung durfte von Anbeginn angenommen werden. Für den Zeitpunkt des Geschehens kamen in Bewertung aller feststellbaren Umstände nur die Zeit des 2. Weltkrieges oder die unmittelbare Nachkriegszeit infrage.  …

 Dieses Geschehen ist deshalb bedeutsam für den anzunehmenden Zeitpunkt der Ermordung der Männer, weil die Überreste ihrer Körper in zwei der großen Explosionstrichter gefunden wurden. Sie konnten also erst nach deren Entstehung dorthin gelangt sein. Da die Gebeine selbst unbeschädigt waren, ist gleichfalls ausgeschlossen, dass die Personen bei den Explosionen zu Tode kamen oder aber als Tote da bereits im Waldboden lagen. Die Auswertung einiger Luftbilder wie auch mehrere direkt an einer der Fundstellen vorhandenen Beton- und Mauerreste gaben Einordnung in das 1945 gewesene Geländebild: Die Fundstellen ordnen sich um den ursprünglichen Standort eines der Munitionshäuser an, die bei den Sprengungen ebenfalls zerstört wurden.

Für die Tat ist damit gesichert der Zeitraum nach dem 11.05.1945 interessant. So - und auch aus weiteren Gründen, die sich u.a. aus der Bewertung der Bekleidungsreste ergeben - war auszuschließen, dass es sich um Häftlinge aus der Zeit vor der deutschen Kapitulation handelt. Die Zeit, in denen die Amerikaner Regie führten, darf nach Lage der Dinge mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls ausgeschlossen werden. Es gibt im Territorium keinerlei Hinweise auf Verhaftete, die nicht wieder frei gekommen wären. Die einzige bekannt gewordene Ausnahme (vergl. Fußnote 1) lässt zudem Rückschlüsse zu, wie die Amerikaner (zumindest hier am Ort) vorgingen, wenn sie sich um erkannte Kriegsverbrecher kümmerten.

Eine völlig andere Situation ergab sich jedoch ab dem Zeitpunkt der sowjetischen Besetzung. Bis heute besteht keine Übersicht über die Zahl der in der Folge aus politischen und sonstigen Gründen verhafteten und verschleppten Personen aller Altersklassen, die nie wieder zurück kehrten. Selbst für den Bereich Geras und seiner Umgebung sind verblüffend viele Namen von Männern verbürgt, deren Schicksal bis zum heutigen Tage völlig ungewiss blieb. Halbwegs ordentliche Verfahren gab es in den Nachkriegswirren, zumindest seitens der Besatzungsmächte, ohnehin nicht.

Fundstelle der Leichenreste
Fundstelle der Leichenreste
Schädel mit (Ein) Schussverletzungen
Schädel mit (Ein) Schussverletzungen
Leichenteile von der Fundstelle
Leichenteile von der Fundstelle
Leichenteile von der Fundstelle    Leichenteile von der Fundstelle

Fundstelle der Leichenteile im Jahr 2000
Fundstelle der Leichenteile im Jahr 2000
Wärend der Nachsuche gefundene Bomben werden zur Sprengung vorbereitet.
Wärend der Nachsuche gefundene Bomben werden zur Sprengung vorbereitet.
 

27.04.2000
Bei der Suche des Munitionsbergungsdienstes wurden erneut (siehe 12.01.2000) Leichenteile gefunden. Diese wurden in die Untersuchung der ersten Funde durch Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin mit einbezogen. Insgesamt waren es nunmehr neu Skelette.

30.04.2003
Die im Volksmund als „Grenzweg Weg“ bekannte Straße zwischen Bad Klosterlausnitz und Oberndorf bekannte Straße wurde in Betrieb genommen. Die direkte Verbindung zu Oberndorf wurde gekappt. Eine neue Verbindung vom Autobahnanschluss Hermsdorf-Ost nach Bad Klosterlausnitz sowie auch in das Gewerbegebiet LMuna wurde geschaffen.

18.10.2003
Ein Pilssucher fand am in einem Waldstück der LMuna eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg. Es wurden weitere Munitionsreste hier vermutet.

30.04.2004
Die neun Leichenfunde (12.01.2000) waren Gegenstand der Sendung Kripo-Live im MDR.

04.05.2004
Die im bei Munitionsräumung in der LMuna gefundenen 9 Skelette (Januar bis April 2000 gefunden) konnten bis 2004 nicht identifiziert werden. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Laut Ergebnis der Untersuchung konnte nur festgestellt werden, dass die Opfer einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Dies vermutlich nach dem Juli 1945. Alle geprüften Hinweise ergaben keine Möglichkeit einer
Identifizierung.  Die unbekannten Opfer wurden mit Hilfe der Thüringer Kriegsgräberfürsorge auf den Friedhof der Gemeinde Rüdersdorf würdig beigesetzt.

In der Presseveröffentlichung der KPI Gera lesen wir: (32)

Inzwischen sind zudem die meisten Zeitzeugen, die zuverlässigen Aufschluss über die jeweils genauen Umstände der meisten Verhaftungen hätten geben können, verstorben. Es ist tragische Realität: Die verstrichene Zeit begrenzte von vornherein die Chancen, Täter- von denen ebenfalls unklar ist, ob sie noch am Leben sind - namhaft zu machen.
So richteten sich die Hoffnungen vornehmlich auf die Identifizierung der Toten, um ihnen wenigstens ihre Namen wieder zu geben zu können. Im Blickpunkt der Ermittlungen standen daher jene Männer aus den umliegenden Gemeinden, die nach Kriegsende durch die Sowjets mit unbekanntem Verbleib verschleppt wurden. Die verstrichene Zeit eines halben Jahrhunderts ließ nur schmale Brücken ins Heute zu. Hoffnungen richteten sich daher auf den DNA-Vergleich der Gebeine mit noch lebenden (biologischen) Verwandter/ Nachkommen solcher Menschen, aus den umliegenden Gemeinden, die im Zusammenhang mit den interessierten Vorgängen verschleppt wurden und deren Verbleib unbekannt blieb. Soweit Verwandte in gerader Linie ermittelt werden konnten, gaben diese alle freiwillig Vergleichsmaterial zur Untersuchung ab (etwa 50 insgesamt). In keinem einzigen Fall allerdings erfüllten sich die Hoffnungen - es konnten keine verwandtschaftliche Beziehungen - festgestellt werden. Auch die an oder bei den Toten gefundenen Relikte halfen bei der Identifizierung nicht.
Es bestehen gegenwärtig keine weiteren Ermittlungsansätze. Trotz aufwendiger Recherchen ließen sich keine konkreten Hinweise verfolgen. Es ist letztlich auch offen, ob es sich um eine einzige Mordaktion oder mehrere, in zeitlichen Abständen, handelte.

 
Bestattung der gefundenen Skelette auf dem Friedhof Oberndorf im Jahr 2004    Bestattung der gefundenen Skelette auf dem Friedhof Oberndorf im Jahr 2004
Bestattung der gefundenen Skelette auf dem Friedhof Oberndorf im Jahr 2004
Links ein Mitarbeiter des Volksbundes, rechts ein Pfarrer spricht Gedenkworte.
 
Die unbekannten Opfer wurden mit Hilfe der Thüringer Kriegsgräberfürsorge auf den Friedhof der Gemeinde Rüdersdorf würdig beigesetzt.
Gedenksteinn auf dem Friedhof Oberndorf.

Im Mai 2004 setzte der Heimatverein Rüdersdorf einen Gedenkstein an die Fundstelle der neun Skelette.   Im Mai 2004 setzte der Heimatverein Rüdersdorf einen Gedenkstein an die Fundstelle der neun Skelette.
Im Mai 2004 setzte der Heimatverein Rüdersdorf einen Gedenkstein an die Fundstelle der neun Skelette.
 

08.05.2005
Auf dem LMuna - Gelände wurden Kampfmittel, in der Nähe des Waldweges " Republikaner" gesprengt.

03.08.2005, 10:00
Auf dem LMuna - Gelände wurden Kampfmittel, in der Nähe des Waldweges " Republikaner" gesprengt.

05.07.2007
Es wurden planmäßig drei Bomben gesprengt, am 22.07.2013 wurde eine weitere Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg entschärft.

 
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste des 1936 errichteten Stellwerkes. Sie wurden 2007 abgerissen und die Gleise in die LMuna zurück gebaut.
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna (Teil des ehemaligen Bahnhofes).
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
 

August 2008
Der Munitionsbergungsdienst sollte in der LMuna im einen drei Kilometer lange Korridor entlang des Weges vom Jugendwaldheim von etwaiger Fundmunition beräumen, um höhere Sicherheit zu schaffen.

19.11.2009
Im Gewerbegebiet LMuna wurden wieder drei Fliegerbomben aus dem 2.Weltkrieg durch Sprengung vernichtet. Jede Bombe wog 2 Kilo und hatte einen Durchmesser von 78 Millimeter.
Diese Beispiele zeigen, dass das Gelände noch nichts von seiner Gefährlichkeit verloren hat.

 
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Reste ehemaliger Bauwerke in der LMuna
Ein Sprengtrichter
Ein Sprengtrichter
 

12.05.2010
Weitere Munition, die nicht gefahrlos transportiert werden konnten, wurden gesprengt.

09.06.2010
Weitere Munition, die nicht gefahrlos transportiert werden konnten, wurden gesprengt.

22.07.2010
Weitere Munition, die nicht gefahrlos transportiert werden konnten, wurden gesprengt.

12.10.2011
15.11.2011
12.09.2012

07.02.2013
19.04.2013
14.05.2013
03. und 04.09. 2013
Weitere Munition, die nicht gefahrlos transportiert werden konnten, wurden gesprengt.
Die Sprengung von weiteren Kampfmitteln an zwei Tagen belegt die weitere Gefährlichkeit des Geländes.

 
Luftbildaufnahme aus dem Jahr 2010 und 2013 (unten). Zu erkennen ist, dass die Wunden im Wald immer mehr zuwachsen.
Luftbildaufnahme aus dem Jahr 2010 und 2013 (unten). Zu erkennen ist, dass die Wunden im Wald immer mehr zuwachsen.
Ein Erschwernis bei der weiteren Räumung.
Luftbildaufnahme aus dem Jahr 2010 und 2013 (unten). Zu erkennen ist, dass die Wunden im Wald immer mehr zuwachsen.

Der Sprengdrichter, der für die gefahrlose Vernichtung der Kampfmittel zuvor ausgehoben wurde, Dessen Größe veranschaulicht die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen.
Der Sprengplatz, der für die gefahrlose Vernichtung der Kampfmittel zuvor ausgehoben wurde.
Damit wird die Druckwelle gemindert, bzw. nach oben abgelenkt. Dessen Größe veranschaulicht die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen.
Die Detonationen waren und sind im weiten Umkreis zu hören.
 
Idylle in der LMuna
Idylle in der LMuna
Idylle in der LMuna
Idylle in der LMuna
Immer wieder gibt es Menschen, die ihre Rastplätze und die Wälder verlassen wie die Schweine. Der Heimatverein Rüdersdorf hat für diese Schilder aufgestellt.
Immer wieder gibt es Menschen, die ihre Rastplätze und die Wälder verlassen wie die Schweine.
Der Heimatverein Rüdersdorf hat für diese Schilder aufgestellt.
Alter Wegweiser in der LMuna
Alter Wegweiser in der LMuna

An der "Wilden Kirche" in der LMuna. Menschen legen dort Steine ab.
 
Flayer zur Warnung und Ermahnung.
Flayer zur Warnung und Ermahnung.
Flayer zur Warnung und Ermahnung.
Flayer zur Warnung und Ermahnung.

 

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